Diagnose Tumor - was nun?

Interessantes Herbstseminar von Pro Pferd

Wie gefährlich ist die Krankheit, wie gut sind die Heilungschancen? Fragen, Zweifel, Ängste kommen auf, wenn die Diagnose Tumor oder sogar Krebs jemanden in den Grundfesten erschüttert. Was uns Menschen schockt, ist auch in Bezug auf unsere Pferde eine schwer zu tragende Last, wie das Herbstseminar von Pro Pferd am Samstag an der Vetsuisse Fakultät der Uni Zürich zeigte. Denn die nachhaltige Behandlung von Sarkoiden stellt in vielen Fällen selbst die Spezialisten vor eine grosse Herausforderung. Weil das Equine Sarkoid, der häufigste Hauttumor beim Pferd, je nach Lokalisation am Tier oft nur schwierig zu entfernen und durch eine hohe Rezidivneigung gekennzeichnet ist. Das heisst, der Hauttumor kann nach einer Abheilung immer wieder zurückkehren. Entsprechend ist der Krankheitsverlauf sehr unterschiedlich. Bei manchen Pferden lässt sich ohne jegliche Behandlung eine spontane Rückbildung der Hauttumore feststellen, bei anderen können diese rasch lokal invasiv wachsen oder sich über grosse Hautflächen ausdehnen.

Das Institut suisse de médecine équine (ISME) in Bern betreut jährlich rund 50 Sarkoid-Patienten. Weil deren Krankheitsverläufe so unterschiedlich sind, wird an der Uni Bern auch an Hauttumoren geforscht. Die Tumorforschung beschäftigt sich zudem mit den selteneren, aber klinisch für den einzelnen Patienten sehr relevanten inneren Tumoren, wie beispielsweise den equinen Lymphomen. In diesem Kontext werden im Rahmen von diagnostischen Abklärungen oder therapeutischen Interventionen übriggebliebene Blut- und Gewebeproben gesammelt, die als Reservoir für die Erforschung von Tumormarkern zur Verfügung stehen. Dieser Aspekt ist besonders interessant, da in der Pferdemedizin kaum Bio-Marker (messbare Parameter biologischer Prozesse) für die frühzeitige und zielgerichtete Diagnose von Tumorerkrankungen zur Verfügung stehen.

In einem Projekt des ISME, das von der Stiftung Pro Pferd unterstützt wird – «microRNA-basierter Screening-Test für Pferde mit Sarkoiden» (PR 2020-03) –, wollen Lucia Unger und Christoph Koch primär heraus­finden, welche Pferde wie mit der Erkrankung umgehen. Sie erforschen also, ob ein Pferd für eine weitere Ausdehnung der Hauttumore anfällig ist oder nicht. Ausserdem möchten sie mit ihrer Arbeit ermöglichen, dass für jedes Pferd die am besten geeigneten Behandlungsansätze spezifisch ausgewählt werden können, dies im Sinne einer «individualisierten Medizin». Für beide Zielsetzungen könnten Bio-Marker herangezogen werden, was auch in der Humanmedizin bei der Diagnostik und «Theranostik» (Verzahnung von Therapie und Diagnostik) von Krebsleiden beim Menschen immer häufiger geschieht.

Unger, Koch und ihr Team sind daran, auf der materiellen Basis von speziell ausgewählten microRNAs, das sind nichtcodierende Ribonukleinsäuren, einen praxistauglichen und nicht-invasiven Screening-Test für Pferde mit Sarkoiden zu entwickeln. Diese microRNAs haben das Potential, als Bio-Marker für prognostische wie «theranostische» Zwecke bei Pferden und speziell bei Sarkoid-Erkrankungen eingesetzt werden zu können. Zusammen mit dem Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) wird zudem ein oraler Behandlungsansatz mit einem Mistelpräparat erforscht. Am Samstag hat Anke Beermann, die als Doktorandin auf diesen Projekten arbeitet, die Hintergründe und vorläufigen Ergebnisse dieser Forschungsarbeit am Herbstseminar in einem Vortrag über die Diagnostik und Behandlung von Equinen Sarkoiden vorgestellt.

Isabelle Annette Schmid erläuterte sodann die Möglichkeit einer Prävention von Lahmheiten durch Einsatz von Klasse 4 Lasern in der Sportmedizin bei Pferden und Thomas Schmitz zeigte die heutigen Möglichkeiten, die es dank neuester Technik in der bildlichen Diagnostik gibt. Diese versetzten so manche Teilnehmerin und so manchen Teilnehmer in Staunen, als Stefanie Ohlerth durch das Anfang Jahr eröffnete Gebäude der Abteilung Bildgebung für Grosstiere führte und die diversen Geräte und Apparate (CT, MRI, Szintigraphie, Röntgen, etc.) ausführlich vorstellte.

Beim abschliessenden Apéro und Gedankenaustausch waren durchwegs positive Stimmen zu hören. Das Herbstseminar Pro Pferd an der Vetsuisse-Fakultät der Uni Zürich war interessant, lehrreich, spannend. Und bereits ist die Vorfreude gross auf die nächste Gönner-Veranstaltung von Pro Pferd, die vertieften Einblick in die Forschung zum Wohl des Pferdes und die Beziehung Pferd-Mensch geben wird.

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