
Seminare
Wir vermitteln wissenschaftliche und praktische Information
Regelmässig veranstaltet Pro Pferd Seminare, Informationsabende oder Webinare mit spannenden und aktuellen Themen rund ums Pferd. Zudem bietet die Gönnerschaft von Pro Pferd die Möglichkeit, an Partner-Veranstaltungen zu vergünstigten Bedingungen teilzunehmen.

Kritischer Blick in den Futtertrog
Herbstseminar von Pro Pferd am 24.10.2026
Am Herbstseminar 2026 werfen wir einen kritische Blick in den Futtertrog: Wir zeigen, was die Folgen von Übergewicht beim Pferd sind, welches Heu deinem Pferd schmeckt, wo die Unterschiede beim Heu liegen und was dein Pferd im Futtertrog wirklich braucht.
Das Programm
13.30h Begrüssung
Patrick Zurbuchen, Geschäftsführer Stiftung Pro Pferd
13.45h Vortrag 1 Übergewicht bei Pferden, was sind die Folgen?
Zusammenhang zwischen Adipositas, equinem metabolischen Syndrom (EMS) und Hufrehe
Dr. med. vet. Nathalie Fouché, Institut suisse de médecine équine ISME, Universität Bern
14.30h Vortrag 2 Kennst Du den Heugeschmack Deines Pferdes?
Heu Präferenzen der Pferde im Vergleich zu denen ihrer Besitzerinnen & Besitzer
Sonia Holzer, BSc Agronomie, wissenschaftliche Mitarbeiterin Pferdewissenschaften BFH-HAFL
ca. 15.15h Pause, Erfrischungsgetränke
15.45h Vortrag 3 Heu ist nicht gleich Heu, wo liegen die Unterschiede?
Hygienische Qualität von Heu in Theorie und Praxis
Jan Kocher, BSc Agronomie, wissenschaftlicher Mitarbeiter Pferdewissenschaften BFH-HAFL
16.15h Vortrag 4 Was braucht mein Pferd und was nicht?
Übergewicht bei Pferden, was tun? Unterschiede in der Fütterung von Sport- und Freizeitpferd, Futterzusätze: Wie hilfreich sind sie wirklich?
PD Dr. Brigitta Wichert, Institut für Tierernährung und Diätetik - Universität Zürich
ca. 17.00h Apéro riche
Die Referenten und ihre Themen
Vortrag 1
Übergewicht bei Pferden, was sind die Folgen?
Zusammenhang zwischen Übergewicht (Adipositas), equinem metabolischen Syndrom (EMS) und Hufrehe.
Viele Pferde sind heute übergewichtig, oftmals ohne, dass es ihren Besitzern bewusst ist. Doch Übergewicht ist mehr als ein kosmetisches Problem: Es verändert den Stoffwechsel des Pferdes und erhöht das Risiko für Erkrankungen wie das equine metabolische Syndrom (EMS) und Hufrehe.
In diesem Vortrag werden die Zusammenhänge zwischen Übergewicht, Insulindysregulation und Hufrehe erklärt. Ziel ist, ein grundlegendes Verständnis dafür zu schaffen, warum Adipositas beim Pferd ein ernst zu nehmendes Gesundheitsproblem ist, und was wir dagegen tun können.

Dr. med. vet. Nathalie Fouché, Dipl. ECEIM (European College of Equine Internal Medicine), ISME Pferdeklinik Bern
Vortrag 2
Kennt Du den Heugeschmack Deines Pferdes?
Heu Präferenzen der Pferde im Vergleich mit denen ihrer Besitzerinnen & Besitzer
Die Studie untersuchte die Präferenz von drei Pferderassen (Isländer, Freiberger, Warmblüter) zwischen drei Heutypen, die sich chemisch und botanisch unterschieden. Parallel dazu wurde untersucht, welches Heu die Besitzer & Besitzerinnen für ihre Pferde als bedarfsgerecht bevorzugten.
Die Ergebnisse zeigten, dass die Pferde die zwei energie- und proteinreichsten Heusorten bevorzugten, was nicht ihren tatsächlichen Bedarf abdecken würde. Zudem entsprach die Präferenz der Pferde nicht der Auswahl ihrer Besitzerinnen & Besitzer.

Sonia Holzer
Wiss. Mitarbeiterin Pferdewissenschaften an der Berner Fachhochschule,
Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittel-wissenschaften HAFL
Vortrag 3
Heu ist nicht gleich Heu, wo liegen die Unterschiede?
Hygienische Qualität von Heu in Theorie und Praxis
Heu ist die Basis der Pferdefütterung und zugleich eine zentrale Quelle für Feinstaub und luftgetragene Mikroorganismen im Stall. Diese können die Luftqualität erheblich beeinträchtigen und gelten als wichtiger Risikofaktor für Equines Asthma.
In dieser Studie wurden verschiedene Heutypen hinsichtlich aerogener Staub- und Keimbelastung untersucht. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Produktionsweise und Trocknung haben einen entscheidenden Einfluss auf die Luftbelastung – und damit auf die Gesundheit der Pferde.

Jan Kocher
Wiss. Mitarbeiter Pferdewissenschaften an der Berner Fachhochschule,
Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittel-wissenschaften HAFL
Vortrag 4
Was braucht mein Pferd und was nicht?
Übergewicht bei Pferden, was tun? Unterschiede in der Fütterung von Sport- und Freizeitpferd, Futterzusätze: Wie hilfreich sind sie wirklich?
Die Details zu diesem Referat folgen demnächst.

PD Dr. Brigitta Wichert, Institut für Tierernährung und Diätetik - Universität Zürich
Der Flyer zum Herbstseminar als pdf
Trete in den Dialog mit der Wissenschaft und nimm am Herbstseminar 2026 teil!
Ort
Grosser Demonstrationshörsaal Tierspital Vetsuisse-Fakultät Uni Zürich
Winterthurerstrasse 260, 8057 Zürich (bitte das Parkhaus Uni Irchel nutzen)
Datum
Samstag, 24.10.2026 von 13.30h bis ca. 17.00h
Teilnahmegebühr
CHF 50 für Gönnerinnen & Gönner sowie für Studentinnen & Studenten
CHF 120 für NICHT-Gönner, massgebend ist der Gönnerbeitrag 2026
Die Anmeldung gilt als definitiv nach Bezahlung der Teilnahmegebühr via TWINT oder auf das Konto:Stiftung Pro Pferd, Zürcher Kantonalbank, Filiale Oerlikon, 8050 Zürich IBAN: CH52 0070 0114 8069 5253 0
Anmeldeschluss: 16. Oktober 2026
Oder direkt über TWINT anmelden und bezahlen

Rückblick auf Seminare und Webinare
Wie Impfungen und integrierter Insektenschutz
gegen neue Krankheiten helfen

Bei Repellents gilt der Wirkstoff DEET nach aktuellem Forschungsstand als Goldstandard.
Passender hätten die Voraussetzungen für das Einstiegsreferat des Webinars «Alarm Pferdekrankheiten» kaum sein können: Während Julia van Spijk, Oberärztin an der Zürcher Pferdeklinik, darüber sprach, welche Infektionskrankheiten unsere Pferde infolge des Klimawandels künftig häufiger bedrohen könnten, herrschten draussen drückende 30 Grad.
Von Muriel Willi
Dass das von der Stiftung Pro Pferd und der HAFL Zollikofen organisierte Webinar zum Thema «Alarm Pferdekrankheiten» auf grosses Interesse stiess, zeigte sich am Donnerstag 25. Juni an der trotz Hitze beachtlichen Teilnehmerzahl. Bevor Julia van Spijk mit ihrem Eröffnungsreferat begann, durfte Patrick Zurbuchen, der Geschäftsführer der Stiftung Pro Pferd, über 60 Interessierte zum Onlineevent begrüssen.
Infektionskrankheiten auf Expansionskurs
«Der Temperaturanstieg bringt zahlreiche indirekte Auswirkungen auf Mensch und Tier mit sich: Neben einer Zunahme von Allergien und einer erhöhten Antibiotikaresistenz treten in unseren Breitengraden vermehrt neue, von Insekten übertragene Infektionskrankheiten auf», erklärte Tierärztin van Spijk. Besonders Zecken profitieren von den wärmeren Temperaturen: Ihre Aktivität dauert länger an, und auch tropische Arten fühlen sich zunehmend in unseren Regionen wohl. Die durch Zecken übertragene Piroplasmose war bisher vor allem in Südeuropa verbreitet, inzwischen werden jedoch auch in der Schweiz vermehrt Fälle registriert. Ähnliche Symptome (Fieber, Leistungsschwäche und Blutarmut) verursacht die Anaplasmose. Sie tritt häufiger auf als die Piroplasmose, bedarf jedoch meist keiner Behandlung, wie Julia van Spijk erläuterte.
Weiter erklärte die Fachfrau, dass auch das FSME-Virus durch Zecken übertragen wird. Es kann neurologische Störungen verursachen. Rund 30 Prozent der Schweizer Pferdepopulation hatten bereits Kontakt mit dem Erreger, Krankheitsausbrüche bleiben jedoch selten. Ähnlich verhält es sich mit der Borreliose: Viele Pferde kommen mit dem Erreger in Kontakt, tatsächlich erkranken aber nur wenige. Auf die Frage aus dem Publikum, wie sich Pferde am besten vor Zecken schützen lassen, empfahl Julia van Spijk, weniger auf häufiges Einsprühen mit Repellents zu setzen, als vielmehr waldige Weiden mit hohem Gras zu meiden. Auch Mücken können gefährliche Krankheiten übertragen. Zwei davon stellte die Pferdeärztin näher vor: Das West-Nil-Virus verursacht neurologische Ausfälle und endet bei rund 30 Prozent der Erkrankungen tödlich. Das durch Vögel verbreitete Virus ist in unseren Nachbarländern bereits etabliert, und im Tessin wurden erste infizierte Mücken nachgewiesen.
Noch nicht in Europa angekommen ist die Afrikanische Pferdepest. Sie verläuft äusserst dramatisch und endet bei bis zu 95 Prozent der erkrankten Pferde tödlich. «Die Zeiten ändern sich. Eine Studie stuft das Risiko eines Ausbruchs in Europa als wahrscheinlich ein», gab Julia van Spijk abschliessend zu bedenken.
Impfungen als wichtige Vorsorge
Gegen die Afrikanische Pferdepest sind in der Schweiz keine Impfstoffe zugelassen. Anders verhält es sich beim West-Nil-Fieber: Hier stehen zwei Impfstoffe zur Verfügung. Bei Reisen ins Tessin oder in unsere Nachbarländer empfiehlt Franziska Remy-Wohlfender deren Einsatz ausdrücklich. Die Pferdeärztin mit eigener Praxis erläuterte im zweiten Referat des Abends gegen welche Krankheiten Pferde geimpft werden können und sollten. «Am wichtigsten ist die Impfung gegen Wundstarrkrampf, da Equiden sehr empfänglich für Tetanus sind und die Krankheit eine hohe Sterblichkeit aufweist», betonte sie. Mit Julia van Spijk betreut Franziska Remy-Wohlfender «Equinella», die nationale Meldeplattform für Pferdekrankheiten.
Auch die Influenza-Impfung empfiehlt Remy-Wohlfender für alle Pferde – insbesondere, da Europa derzeit einen Influenzaausbruch erlebt. Das Equine Herpesvirus tragen rund 80 Prozent aller Pferde in sich. Unter Stress kann das Virus reaktiviert werden. Obwohl die Impfung einen Ausbruch nicht vollständig verhindert, trägt sie wesentlich zum Schutz der gesamten Pferdepopulation bei. Gegen Botulismus sollten insbesondere Pferde geimpft werden, die Silage erhalten. Auslöser der Krankheit können mit einsilierte Tierkadaver sein. Das von den Bakterien produzierte Gift greift die Nervenzellen an, führt zu Lähmungen und endet häufig tödlich. Auf die Frage, ob bei älteren Pferden auf regelmässige Auffrischungsimpfungen verzichtet werden könne, antwortete Franziska Remy-Wohlfender klar: «Der Impfschutz sollte bis ans Lebensende regelmässig aufgefrischt werden – bei Influenza jährlich, bei Tetanus etwa alle drei Jahre.» Sie wies zudem darauf hin, dass Impfungen nicht nur die Gesundheit der Tiere schützen, sondern auch wirtschaftliche Schäden, Nutzungseinschränkungen, Imageschäden und Reglementsänderungen infolge von Krankheitsausbrüchen verhindern können.
Effektiver Insektenschutz
Dass Insekten gefährliche Krankheiten übertragen können, hatten die Teilnehmenden bereits erfahren. Im abschliessenden Referat zeigte Conny Herholz, Professorin für Pferdewissenschaften an der HAFL, welche Massnahmen tatsächlich wirksam sind. «Das Zauberwort heisst integrierter Insektenschutz – also die Kombination aus chemischen, biologischen und mechanischen Massnahmen», erklärte sie.
Bei Repellents gilt der Wirkstoff DEET nach aktuellem Forschungsstand als Goldstandard. Studien hätten seine hohe Wirksamkeit bestätigt. Bedenken von Webinarteilnehmenden hinsichtlich möglicher Hautreizungen konnte Conny Herholz entkräften: In handelsüblichen Konzentrationen verursache DEET in der Regel keine Irritationen und schütze bis zu sechs Stunden lang. Knoblauch oder ätherische Öle hingegen zeigten keine nachweisbare Schutzwirkung. Auch Essig schneide als Fliegenabwehrmittel ähnlich schlecht ab, beantwortete sie eine Frage aus dem Publikum.
Als biologische Massnahme stellte die HAFL-Professorin Schlupfwespen vor, die den Fliegendruck im Stall reduzieren können. Ebenfalls als wirksam erwiesen sich Blaulichtfallen. Gross angelegte Studien belegten zudem den Nutzen von Ventilatoren und Fliegennetzen. Die Ventilatoren sollten allerdings nicht direkt auf die Pferde gerichtet werden, beantwortete Conny Herholz eine entsprechende Publikumsfrage. Zum integrierten Insektenmanagement gehöre ausserdem, Wassertröge nicht zu Brutstätten für Mücken werden zu lassen und feuchte Stellen auf Weiden mit Kies zu befestigen.
Um 21 Uhr endete ein Webinar, mit dem die Stiftung Pro Pferd ihren Anspruch einmal mehr vollauf erfüllte, wissenschaftliche Erkenntnisse rund ums Pferd einem breiten Publikum verständlich zu vermitteln. Mit zahlreichen praxisnahen Informationen und konkreten Tipps konnten die Teilnehmenden ihren Laptop zuklappen.
Pro Pferd Herbstseminar 2025
Von Zügelhilfen und Hilfszügeln
Am Samstag, 25. Oktober 2025 lud die Stiftung Pro Pferd zum alljährlichen Herbstseminar in die Pferdeklinik des Zürcher Tierspitals. Auf dem Programm standen hochrelevante Themen: Der Einsatz von Hilfszügeln, die Zügelkräfte und das Pferdewohl an Turnieren wurden von Fachpersonen aus der Wissenschaft und der Praxis beleuchtet. Voten aus dem interessierten Publikum und die Fragen des Geschäftsführers Patrick Zurbuchen ermöglichten zudem eine Perspektiverweiterung auf die präsentierten Gebiete.
Eine herausfordernde Forschungsreise
Als Erstes gab Projektleiter Dominik Burger ein Update zur laufenden Leuchtturmstudie der Stiftung, die im letztjährigen Herbstseminar im Fokus stand. Diese zeichnet sich durch den ganzheitlichen Ansatz zur Messung der Zügelkräfte aus, indem auch biomechanische Messungen des Bewegungsapparats sowie der Herzfrequenz vorgenommen werden.
Wenn Fachpersonen aus verschiedenen Disziplinen zusammentreffen, in diesem Fall Veterinärmediziner auf IT-Spezialisten, macht das ein Forschungsprojekt spannend, aber auch anspruchsvoll, erklärte der Leiter des Institut Suisse de médecine équine in Avenches. Auf der bisherigen Forschungsreise musste das Team einige Stolpersteine beiseite räumen. Eine erste Challenge bestand in der Umstellung der Messsysteme auf Wireless. Zudem wurde ersichtlich, wie viel Zeit die Synchronisierung aller Daten aus den verschiedenen Messungen in Anspruch nimmt. Dann galt es die Anwenderfreundlichkeit und Sicherheit, sprich Reissfestigkeit, zu gewährleisten.
All diese Hürden konnten genommen werden, sodass am 22. Oktober 2025, also just vor dem Herbstseminar, ein Pilotversuch mit CC-Kaderreiter Robin Godel stattfand. Der Profireiter gab ein durchwegs positives Feedback: Weder als Reiter noch für sein Nachwuchspferd sei das Messgerät spürbar oder gar störend gewesen. «Nun sind wir startklar für den richtigen Versuch mit sechs gut ausgebildeten und sechs Nachwuchspferden sowie drei Profireitern und drei weniger erfahrenen Reitern», frohlockte Dominik Burger. Die Erkenntnisse aus der mehrjährigen Studie sollen dereinst in die Reitausbildung einfliessen. Als Kontrollinstrument sieht der Projektleiter das neuentwickelte Messsystem nicht, auch wenn eine Kommerzialisierung angedacht ist.
Hilfszügel: Nur individuell abgestimmt und selbstkritisch eingesetzt sinnvoll
Von den Zügeln verschob sich der Fokus im zweiten Beitrag des Nachmittags auf die Hilfszügel. Patrick Rüegg, Bildungsverantwortlicher der Pferdebranche und Mitglied des Elite-CC-Kaders, ging in seiner Präsentation der Frage nach, wann diese Hilfsmittel ein Fluch und wie eingesetzt ein Segen sein können. Wichtig war ihm vorauszuschicken, dass der Einsatz von Hilfszügeln individuell auf das Pferd und die Person, die mit dem Pferd arbeitet, abgestimmt werden muss.
Nach einem Überblick der verschiedenen Varianten mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen, gab Patrick Rüegg zu bedenken, dass wenn sich ein Pferd in den Hilfszügel reinsperrt, die Wirkung konträr ist. Er selbst sprach sich gegen die Verwendung neu entwickelter Hilfszügel wie der Pessoa Longierhilfe, dem Halsverlängerer und der Longierhilfe Cotton aus und verriet, dass er im alltäglichen Training auf Ausbindezügel, Dreieckszügel und zum gezielten Einsatz auch auf Schlaufzügel zurückgreift.
«Wenn ich überlege, welchen Hilfszügel ich verwende, muss ich mir auch gut überlegen, aus welchem Material er sein soll», gab der Fachmann zu bedenken. Leichte, formstabile Ausbinder ohne Gummieinsätze sind für das Pferd angenehmer und ein passender Longiergurt mit einer Kuhlenpolsterung und variablen Einschnallringen ist das A und O, so die Haupterkenntnisse.
Patrick Rüegg zeigte auch Schwierigkeiten im Einsatz von Hilfszügeln an Filmsequenzen mit seinen Pferden auf. «Das Ziel einer biomechanisch korrekten Körperhaltung mit optimaler Anlehnung und Längsbiegung ist keineswegs einfach zu erreichen und das Überprüfen fällt oft schwer», gab der Profi selbstkritisch zu. Ausserdem betonte er, wie anspruchsvoll es ist, ein Pferd beim Longieren ganz ohne Hilfszügel über mindestens 50 Prozent der Trainingsdauer in einer korrekten Haltung laufen zu lassen.
Auch die anschliessenden Voten waren aufschlussreich. Auf den Aspekt der Sicherheit wurde eingegangen, wie auf den Umstand, dass wer einen Hilfszügel einsetzt, genau überlegen muss welches Ziel damit erreicht werden soll und wie der Erfolg überprüft werden kann. Eine Abkürzung im Ausbildungsweg bieten Hilfszügel keinesfalls, gab Patrick Rüegg den Anwesenden mit auf den Weg.
Mangel an biomechanischem Wissen beim Hilfszügeleinsatz
Die Stiftung Pro Pferd möchte dem wissenschaftlichen Nachwuchs eine Plattform bieten. Im Fall von Simona Baumann, der Bachelorstudentin im Bereich Pferdewissenschaften an der HAFL war dies eine ausgezeichnete Idee. Die junge Frau hatte eine spannende Studie zum Einsatz von Hilfszügeln in der Schweiz im Gepäck.
Ihre Onlineumfrage verzeichnete mit 1022 Antworten einen grossen Rücklauf. Die Auswertung ergab, dass rund 44 Prozent der Befragten regelmässig Hilfszügel nutzen. Am häufigsten kommen der Dreieckszügel, das Martingal, der Ausbindezügel und der Schlaufzügel zum Einsatz und dies in überwiegendem Masse von Englischreitern. Als Gründe für den Einsatz von Hilfszügeln wurde beispielsweise mehr Kontrolle übers Pferd, zum Longieren, zur Korrektur schwieriger Pferde oder um Fehler zu kaschieren genannt.
Ernüchternd war der Umstand, dass der Grossteil der Befragten über unzureichendes Wissen zur Biomechanik des Pferdes verfügte. Zudem gaben fast 60 Prozent der Studienteilnehmenden an, zur Überprüfung der Wirkung der eingesetzten Hilfszügel auf das eigene Gefühl, anstatt auf eine profunde Überprüfung beispielsweise durch biomechanisch ausgebildete Fachpersonen oder Videoanalysen zu setzen. Als Fazit appellierte Simona Baumann, dass die Biomechanik des Pferdes zukünftig in der Ausbildung eine grössere Rolle spielen muss.
Pferdewohl am CHIO Aachen
Das Pferdewohl rückte in der letzten Präsentation in einem Kontext in den Fokus, der nichts mit Zügeln oder Hilfszügeln zu tun hat. Die Wissenschaftlerin vom Schweizer Nationalgestüt Agroscope Miriam Baumgartner präsentierte ihr Projekt zur Überprüfung von Pferdewohlparametern an Turnieren. «Im Pferdesport muss sich einiges ändern, aktuell mangelt es an Transparenz und an wissenschaftlichen Daten zum Wohlergehen der Pferde bei Wettkämpfen», stellt Miriam Baumgartner fest. Mit dem Forschungsprojekt am weltweit bekannten CHIO Aachen (D) soll ein wichtiger Schritt in diese Richtung getan werden.
Dabei wird die Haltung der Pferde überprüft. In einem multidimensionalen Ansatz werden sowohl im Heimatstall als auch im Turnierstall Kotproben untersucht, die Herzfrequenz, die Mimik, das Zeitbudget von Verhaltensweisen wie Fressen oder Liegen, sowie Umgebungsfaktoren.
Die Wissenschaftlerin erzählte vom Aufwand und den Tücken, die bei einem solchen Monitoring von Elitesportpferden in Zusammenarbeit mit Profireitern auftauchen. Zudem gab sie einen Einblick in die Ergebnisse der Pilotstudie von 2023, bei der die Datenbasis mit nur vier untersuchten Pferden zu gering ist, um allgemeine Aussagen zu treffen. Ersichtlich wurde, dass die Liegedauer, die Dauer der Raufutteraufnahme und des Bewegens in Aachen geringer als im Heimatstall ist. Bis zum Abschluss der Studie 2027 sollen die Parameter von mindestens 30 Turnierpferden erhoben werden und eine Ausweitung auf die Erhebung der Pferdewohlparameter im sportlichen Einsatz ist angedacht.
Für die künftigen Herbstseminare der Stiftung Pro Pferd werden die spannenden Themen so bald also nicht ausgehen.
Text: Muriel Willi

