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Frei im Stall

Neu ist die Bitte der Pferde nicht, sich im Stall frei bewegen zu können. Pro Pferd unterstützt deshalb den Wettbewerb «Der gute Stall».




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Der Dresdener Verein «Pferdewohl» verbreitete den Wunsch schon 1929 im Merkblatt «Des Pferdes Bitte»: Pferde sollen sich im Stall frei bewegen können. Bei uns schreibt dies die Tierschutzverordnung seit gut zehn Jahren vor. Nicht angebunden zu sein ist allerdings nur ein Aspekt eines guten Pferdestalls. Lang ist deshalb der Kriterienkatalog, der zum begehrten Label «Der gute Stall» führt. Ideell auch unterstützt von Pro Pferd, wurde dieses heuer bereits zum vierten Mal vergeben, in Form eines schweizweiten Stallwettbewerbs, der alle Aspekte einer Stallanlage überprüft. 13 Pferdebetriebe haben die Auszeichnung mehr als verdient.


Ob Pensionsstall, Altersweide oder Zuchtstätte: An jedem einzelnen Ort drückt sich das Engagement der Stallbetreiber aus, den Pferden eine höchstmögliche Qualität an sozialem und gesundheitlichem Wohlbefinden zu bieten. Denn zur Fünf-Sterne-Unterkunft wird ein Stall erst, wenn die Stallbetreiberinnen und -betreiber sich Gedanken machen, mit welchen Verbesserungen für mehr Komfort gesorgt werden kann. Das geht weit über die gesetzlich vorgegebenen Mindestanforderungen hinaus. Kostspielige bauliche Massnahmen sind dazu nicht einmal unbedingt notwendig, viel mehr gefragt ist fundiertes Wissen über die Bedürfnisse unserer Equiden. Hier setzt auch das Label «Der gute Stall» seit Anbeginn an. Beispielhafte Haltungsformen und innovative Detaillösungen für die verschiedenen Stallsysteme sollen durch den Stallwettbewerb bekannt gemacht werden. Das spornt zur laufenden Verbesserung der Pferdehaltung an.


Heute gehört bei der Boxenhaltung das Angebot eines Paddocks zum Standard einer modernen Haltungsform. Und bei der Gruppenhaltung erlebt der Ausbau zu Aktivställen eine immer stärkere Verbreitung. Ungebrochen ist zudem der Trend der letzten Jahre, Pferde nicht nur sicher und gesund unterzubringen, sondern ihnen auch mehr Anreize zu vermitteln. Für viele Besitzer und Besitzerinnen wird es immer wichtiger, dass bei ihren Pferden nicht nur während ihrer Anwesenheit für Aktivitäten gesorgt ist. Weide und 16 Stunden Fresszeit sind die Hauptkriterien, nach denen ein Stall ausgewählt würde, ist landauf, landab immer wieder zu hören. Aktivställe werden deshalb zusehends beliebter. In diesen müssen die Pferde und Ponys ihr Futter wie in der Natur Schritt für Schritt suchen. Eine individuelle Fütterung von Schmalhans und Dickerchen in der Gruppe ist und bleibt dabei eine zentrale Herausforderung. Wo genügend Platz wie auf dem Bipperhof vorhanden ist, teilt Daniel von Ins deshalb die leicht- und schwerfuttrigen Pensionäre in getrennte Gruppen auf.


Ausreichend Bewegung, Sozialkontakt und über den Tag portionierte Fütterung sind Punkte, über die wohl am meisten gesprochen und geschrieben wird. Einer eingehenden Betrachtung unterzogen wurde bei der Begutachtung für den Wettbewerb in allen Ställen aber auch die Luft, das Licht, die baulichen Gegebenheiten, die Hygiene. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen schliesslich seit Längerem auf, dass der Stallluft besondere Aufmerksamkeit zu schenken ist. Schmutzpartikel und Mikroorganismen wie Schimmelpilze in der Stallluft gelten daher als Risikofaktoren für die Entstehung von Atemwegserkrankungen. Um die Staubentwicklung zu reduzieren, haben beispielsweise Anita und Franz von Holzen auf dem Hof Windleten in Ennetmoos erfolgreich einen selber entwickelten Wasservernebler im Stalltrakt aufgehängt. Eine der vielen guten Ideen, die letztlich zum Label «Der gute Stall» führen.


Mit pferdeaffinen Stallbauten werden die Voraussetzungen für ein möglichst artgerechtes Stallleben geschaffen, am wichtigsten bleibt aber immer noch der täglich mehrfach stattfindende Kontakt durch das Stallpersonal. Es hilft durch sein Verhalten während der Stallarbeiten mit, bei den Pferden Vertrauen aufzubauen – die Grundlage für eine sichere Partnerschaft. Messbar ist das nicht, sichtbar aber sehr wohl. Wie etwa in jenem irischen Rennpferdestall, wo der Trainer bewusst ausschliesslich gemächlich arbeitende Pfleger einstellt, um seine Pferde nicht durch hektisches Treiben in Unruhe zu bringen.


Aus den Betrieben, die sich für den Stallwettbewerb angemeldet haben, sind nach Vorprüfung und sorgfältiger Bewertung vor Ort letztlich 13 Ställe in vier Kategorien ausgezeichnet worden. Die Plakette «Der gute Stall» ist Ausdruck davon und zeigt, dass sich hier die Pferde nicht nur frei bewegen, sondern auch wohlfühlen können.


Ausgezeichnete Ställe:

Gruppenhaltung

Sandwies, Buch am Irchel

Schwarzacherhof, Zeihen

Gummehof, Epsach

Pferde-Paradies Büttenhardt

Isehof, Marthalen

Pferde Am Rhein, Diessenhofen

Hof Windleten, Ennetmoos

Boxen- und Gruppenhaltung

Fichtenhof, Laufen BL

Bipperhof, Oberbipp

Reitstall Rössli, Guntmadingen

Boxenhaltung

Erlenhof, Niederstetten

Pferdestall Schnider, Rothenburg

Aufzucht

Al Canton, Le Prese

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