Smart für Pferd und Mensch

In der Aktion «Der Gute Stall» 2022 kommt erstmals «BestTU Pferd» zur Anwendung

Der Wille zu einer artgemässen Pferdehaltung ist da. Seit Jahrzehnten. Lange bevor das Tierschutzgesetz über eine Verordnung Mindestmasse festlegte, sorgte das Bedürfnis nach mehr Pferdewohl bereits für artgerechtere Pferdeställe in der Schweiz: Boxen mit Paddocks oder Gruppenhaltungen lösten die Anbindehaltung in Einzelständen ab und gewährten den Pferden und Ponys mehr Sicht-, Hör- und Geruchkontakt zu ihren Artgenossen. Unumstritten sind heutzutage denn auch die Kriterien, die Pferde an einen Stall stellen: Hell, luftig, mit Sozialkontakt zu ihresgleichen und viel Bewegungsmöglichkeiten – so muss ein guter Stall sein.

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Objektive Beurteilung

Dass diese Anforderungen nicht Wunschtraum, sondern in vielen Ställen Realität sind, zeigt sich jeweils bei der Auswertung der Betriebe beim «Der Gute Stall». Die Aktion, die unter dem Patronat von Pro Pferd steht, wird in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Tierschutz STS, der BauernZeitung sowie der PFERD Bern in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal durchgeführt. Ursprünglich war sie als Wettbewerb gedacht. Mittlerweile aber ist «Der Gute Stall» eine wegweisende Plattform für art- und tiergerechte Haltungssysteme sowie gelungene bauliche Praxislösungen in Schweizer Pferdeställen. Dieser proaktiven Rolle entsprechend, führt «Der Gute Stall» auch in diesem Jahr eine markante Neuerung ein. Bei der Beurteilung der Ställe findet erstmals ein auf 300 Indikatoren aufgebautes Tool Anwendung.


An der Technischen Universität München-Weihenstephan entwickelten die Tierärztin Miriam Baumgartner und die Ethologin Margit Zeitler-Feicht in jahrelanger Kleinarbeit mit Partnern aus der IT-Branche und Fachstellen wie der Landwirtschaftskammer Nordrhein Westfallen das Bewertungssystem «BestTUPferd». Damit lassen sich Pferdehaltung und Wohlbefinden der Pferde objektiv beurteilen. Das geschieht vor Ort in einem Stall basierend auf den Leitmotiven «Verhalten im Kontext von positiven Empfindungen», «Guter Gesundheitszustand», «Pferdegerechte Haltungsbedingungen», sowie «Ökologisch nachhaltige Pferdehaltung». Dazu sagt Margit Zeitler-Feicht: «Wir haben das Tool mit dem Ziel entwickelt, Betriebsleiterinnen und Betriebsleitern bei der Verbesserung ihrer Pferdehaltung zu helfen.»


Dank «BestTUPferd» erhalten Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter aber nicht bloss eine

objektive und standardisierte Analyse ihrer Pferdehaltung. Ihnen werden anhand der erhobenen und ausgewerteten Daten auch betriebsindividuelle und praktikable Optimierungsempfehlungen gegeben. Denn das Tool ist ebenso ein digitales Beratungsinstrument, mit dem qualifizierte und geschulte Beraterinnen und Berater Schwachstellen und potenzielle Risikofaktoren aufzeigen und Handlungsempfehlungen abgeben können. Das erst ergibt letztlich das für jede Pferdehaltung wertvolle Gesamtbild, das weit über gesetzliche Vorschriften hinaus geht und eine für die Vierbeiner möglichst artgemässe Unterkunft aufzeigt. So können sich Verbesserungen und Modernisierungen der Ställe an tierschutzrelevanten und für die Pferde wichtigen Punkten orientieren. Weil viele Pensions- und Reitbetriebe als Dienstleister aber auch wirtschaftlich arbeiten müssen, hilft die grundlegende Analyse auch dabei, einen Stall für Mensch und Pferd smarter zu gestalten. Wenig überraschend findet die auf Haltungsfragen spezialisierte Beratungsstelle Pferd vom Schweizer Nationalgestüt in Avenches nur lobende Worte zu «BestTUPferd». Die Forschungsleiterin Iris

Bachmann sagt: «Die Beratungsstelle des Schweizer Nationalgestüts von Agroscope beurteilt das Beratungstool ‹BestTUPferd› als das zurzeit seriöseste und umfassendste digitalisierte Bewertungssystem, um Pferdeanlagen zu analysieren und zu evaluieren.» Mit ein Grund, das Tool in der Aktion «Der Gute Stall» 2022 zu verwenden. Denn die Trägerschaft will ja nicht nur gute Pferdebetriebe auszeichnen, sondern auch innovative Lösungen in der Pferdeszene bekanntmachen.


Vertrauenswürdiges Label

Im letzten Jahr konnte «Der Gute Stall» einen Rekord verbuchen: 14 Gruppen- und 2 Boxenhaltungen wurde die Plakette «Der Gute Stall STS» übergeben, die zusätzlich die Anforderungen der Kampagne PFERDE RAUS! des Schweizer Tierschutzes STS erfüllten; die Plakette «Der Gute Stall» erhielten 2 Betriebe. «Der Gute Stall» etablierte sich damit auch als Label, das den Pferdebesitzerinnen und -besitzern die Sicherheit und das Vertrauen gibt, ihr Pferd gut eingestallt zu haben. Mit der Verwendung von «BestTUPferd» wird dies weiter gestärkt. Weil akribisch erhobene und clever ausgewertete Daten das Pferd als Spiegel seiner Haltung und die Haltung selbst als mögliche Schwachstelle und Risikofaktor für das Pferd aufzeigen.

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