Forschung für Pferd und Umwelt

In Avenches wird an bodenschonenden Auslaufbefestigungen geforscht. Pro Pferd unterstützt das für die Pferdehaltung relevante Projekt.

Für so manche Reiterin und so manchen Pferdebesitzer dürfte der 13. Juni dank der Ablehnung der beiden Agrar-Initiativen kein Unglückstag gewesen sein. Eine Annahme der Volksinitiativen hätte für alle Pferdehaltenden wohl spürbare Erschwernisse gebracht.

Doch damit sind drängende Fragen zur Pferdehaltung in der Schweiz nicht einfach vom Tisch. Der komplexe Themenbereich hält noch viele weitere Herausforderungen bereit. Das zeigt allein schon die Statistik der Beratungsstelle Pferde, die Agroscope am Nationalgestüt in Avenches führt. Dort sind Fragen zur Pferdehaltung im letzten Jahr am meisten gestellt worden. «Das Wissen der Pferdehalter rund ums Pferd ist zum Teil lückenhaft, insbesondere was die Wirtschaftlichkeit, die artgerechte Pferdehaltung

und die natürlichen Bedürfnisse der Pferde betriff­t», stellt das Kompetenzzentrum

des Bundes fest.

Kavallo_07_2021
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Gezielte Forschung soll dazu beitragen, diese Lücken sukzessive zu schliessen.

Die Stiftung Pro Pferd unterstützt beispielsweise ein Projekt zu bodenschonender

Befestigung von Lauf­flächen auf Paddock-Trails, das von Iris Bachmann

lanciert worden ist. Iris Bachmann leitet am Nationalgestüt in Avenches die Forschungsgruppe Equiden von Agroscope und ist tagtäglich mit den Fragen von

Pferdebesitzerinnen und Pferdebesitzern zu Haltungsformen konfrontiert. Allgemein zeichnet sich moderne Pferdehaltung heutzutage dadurch aus, dass die Tiere durch räumliches Trennen von Flächen in verschiedene Funktionsbereiche zu stetiger Bewegung motiviert werden. Bei den sogenannten Paddock-Trails handelt es sich um Pferdeanlagen im Freien. Aufenthaltsbereiche wie Liegehütte, Wasserstelle und Futterraufe sind entfernt voneinander angelegt und durch Laufgänge verbunden. Zur Schonung der Grasnarbe sowie aus Gründen der Tiergesundheit und der Sicherheit sollten diese Laufwege befestigt werden. «Das steht jedoch den Interessen des Kulturlandschutzes entgegen, weshalb kantonale Raumplanungsbehörden keine oder

nur eingeschränkte Bewilligungen für solche Bauvorhaben in der Landwirtschaftszone

erteilen», stellt Iris Bachmann fest.


Ihr Projekt hat zum Ziel, Lösungen für eine bodenschonende Trail- bzw. Auslaufbefestigung zu entwickeln, die sowohl den Interessen des Tierschutzes als

auch den raumplanerischen Interessen (Kulturlandschutz, insbesondere der

Fruchtfolgeflächen) gerecht werden. Hierfür wird die E­ffektivität ausgewählter

Befestigungsvarianten unter Berücksichtigung des Tierwohls, der Vegetation und

der Belastungsintensität in vier parallel angelegten Paddock-Trails mit je fünf

Pferden untersucht. Insbesondere wird die Regeneration und Rekultivierung des

Bodens nach zwei Jahren Belastung durch die Tiere verfolgt. Zudem wird eine

Querschnittsstudie mit Momentaufnahmen von Böden verschiedener bestehender

Praxisbetriebe mit Paddock-Trails gemacht. Das ermöglicht, die Auswirkungen

der Belastung bei unterschiedlichen Befestigungsmaterialien und Managementmassnahmen zu erfassen.


Die Fläche für den Haupt-Feldversuch befindet sich in unmittelbarer Nähe des

Schweizer Nationalgestüts. Bereits sind die Bodenbefestigungsmaterialien bestimmt,

die getestet werden: TTE®-MultiDrain-PLUS 3000; HIT-GREEN TRAIL – Bodengitter H45; HIT-GREEN TRAIL – Bodengitter H45 plus separate Stelzen. Die Überwachung der Pferde

und das räumliche Tracking erfolgt mit dem System Alptracker. Aktuell begleitet

die zuständige Doktorandin die Installationen der Anlagen und die Vorbereitung des Bodens. Um die Entwicklung einer guten Grasnarbe zu fördern, wird die Fläche ein bis zwei Mal pro Woche gemäht. Die Auf­fuhr der 20 Pferde und somit der Beginn der systematischen Belastung der Bodenbefestigung dürfte Ende August/Anfang September möglich sein. Iris Bachmann sagt: «Wir beabsichtigen, verlässliche

Daten zu technischen Ausführungen und Systemen zu liefern und aufzuzeigen,

wie Auslau­flächen und Laufwege von Pferdeanlagen bodenschonend, aber auch tiergerecht zu erstellen sind.» Damit wäre sowohl den Interessen des Tierschutzes als auch jenen des Kulturlandschutzes Genüge getan.


Darüber hinaus dürften die zu erwartenden Forschungsergebnisse zur Verbesserung

von heute regelmässig auftretenden Problemen in Gruppenhaltungen führen, namentlich bezüglich Raumaufteilung der Anlage, Bewegungsanimation

und Verhinderung von potenziell gefährlichen und aggressiven Auseinandersetzungen. Und das wiederum erlaubt in Bezug auf die Pferdehaltung eine wissenschaftlich fundierte Meinungsbildung. Das ist willkommenes Wissen – auch mit Blick auf die nächste Volksabstimmung, welche die Umwelt und damit die Pferdebranche betriff­t.

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