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Genau hinschauen lohnt sich

Klare Message am Herbstseminar Pro Pferd zum Equinem Asthma

Die «Take-Home-Message» war klar: Genau hinschauen lohnt sich. Diesen Ratschlag gab Prof. Dr. med. vet. Vince Gerber den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Herbstseminar von Pro Pferd zum Thema Pferdeatmung bei seinen Ausführungen zum Equinem Asthma mit auf den Nachhauseweg (siehe Bild). Denn schon leichtgradiges Asthma ist keine Kleinigkeit, auch wenn in der Frühphase die Pferde bei mildem Verlauf häufig noch keine klinischen Symptome zeigen. Doch dann beginnt es mit gelegentlichem Husten, meist beim Antraben oder zu Beginn einer Aktivität, und ein- bis zweimal Abhusten sowie Nasenausfluss sind als frühe Anzeichen feststellbar. Werden diese Anzeichen ignoriert und bleiben die Haltungsbedingungen unverändert, kann sich das Asthma über die Jahre weiter verschlechtern. Ausgeprägte Fälle von Equinem Asthma sind deshalb vornehmlich bei sechs- bis achtjährigen oder älteren Pferden feststellbar. Gerber, Geschäftsführender Direktor und Leiter Innere Medizin ISME Bern und Avenches, riet deshalb auch mit Nachdruck, immer eine Untersuchung des Pferdes durch die Tierärztin oder den Tierarzt zu veranlassen.


Nach der Einführung ins Thema Pferdeatmung durch Patrick Zurbuchen, den Geschäftsführer der Stiftung Pro Pferd, gab Fabienne Somm von der Klinik für Pferdechirurgie an der Uni Zürich einen Einblick in die oberen Atemwege. Rund 20 Prozent der vorgestellten Pferde hätten ein Atemgeräusch und damit ein Problem in den oberen Atemwegen (Nase, Nasengänge, Kehlkopf) führte Somm aus. Sie zeigte anschaulich die dafür verantwortlichen Engstellen und Veränderungen am Kehlkopf (Kehlkopflähmung) und fasste zusammen: «Pferde sind Hochleitungssportler und immer so leistungsfähig wie das schwächste Glied der Sauerstoffkette». Akustisch führte derweil Eloïse Greim, Residentin FVH am ISME Bern und Avenches, gewissermassen ins Pferd und in die unteren Atemwege (Luftröhre, Lunge) hinein. Sie zeigte, wie mit digitaler Lungenauskulation eine bessere Qualität als mit herkömmlichen Stethoskopen erreicht werden kann und wie künstliche Intelligenz hilft, Geräusche wie Giemen, Knistern oder Rasseln zu kategorisieren und zu bewerten. Was jede Pferdehalterin und jeder Pferdehalter selber tun kann, um das «Asthma-Risiko» bei seinem Vierbeiner zu minimieren, zeigte Virginie Bouverat, Residentin FVH ISME Avenches in Bezug auf die Beurteilung von Heu.


Heu und Stroh sind für die meisten Pferde die Hauptrisikofaktoren für Asthma. Bei hochgradigen Fällen kann auch eine genetische Prädisposition ursächlich sein. Allgemein lässt sich deshalb sagen: Je mehr Zeit die Pferde drinnen im Stall verbringen, desto häufiger gibt es Probleme mit entzündeten Atemwegen. Und Vince Gerber betonte mit Nachdruck bei seinen Ausführungen zu Asthma, die Symptome für entzündete Atemwege ernst zu nehmen. Was im Moment nicht sehr schlimm aussieht, kann längerfristig die Gesundheit des Pferdes massgeblich beeinträchtigen. Ein Faktum, das die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Herbstseminars Pro Pferd am anschliessenden Get-together-Apéro noch rege diskutierten.

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