Ein besseres Bild vom Pferd

Am Tierspital Zürich stehen seit diesem Jahr neueste bildgebende Tools zur Verfügung

Vom Pferd gefallen, die Schulter, den Arm, das Bein gestaucht oder sogar einen Knochen gebrochen! Wer hat das nicht schon erlebt? Nach dem Sturz führt der Weg meist ins Spital. Dort gilt es trotz der Schmerzen in einem dunklen Raum mit schwerem Strahlenschutz regungslos auszuharren – bis die Röntgenbilder gemacht sind. Wie bei uns Menschen ist die Röntgendiagnostik auch beim Tier neben der Ultraschalluntersuchung die häufigste Untersuchung, um sich in der Diagnostik ein Bild des Zustandes eines Pferdes zu machen. Bedingt durch die Körpermasse braucht es beim Pferd aber ausreichend lange Belichtungszeiten für qualitativ perfekte Bilder. So ist der ruhige Stand des Tieres eine Grundvoraussetzung, was nicht immer einfach zu erreichen ist. Häufig ist dafür eine medikamentöse Beruhigung (Sedation) notwendig.

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Am Tierspital Zürich nahm sich Felix Theiss, finanziell unterstützt von Pro Pferd, der Aufgabe an, für das neue Bildgebungsgebäude Grosstierröntgen einen bedarfsgerechten Röntgenstand zu entwerfen und zu konstruieren. Der Oberarzt am Departement für Pferde spannte dafür mit der Klinik für Bildgebende Diagnostik sowie mit Ruedi Keller vom Grosstierrettungsdienst und Benno Schlatter von der Firma Schlatter Blech Tech in Rorbas zusammen. Es entstand ein Untersuchungsstand, der in Chromstahl gefertigt leicht montier- und demontierbar ist. So kann der Stand abgebaut und der ganze Raum anderweitig genutzt werden. Im Stand selber lassen sich Begrenzungsbügel individuell öffnen oder verstellen, um das Herein- und Herausführen der Tiere zu vereinfachen sowie deren Position nach Bedarf anzupassen. Damit schützt der neue Untersuchungsstand einerseits die empfindliche Röntgeninfrastruktur vor unerwünschten Einwirkungen des Patienten und reduziert andererseits die Strahlenbelastung für das Pflegepersonal auf ein Minimum. Vor allem aber verringert sich zum Wohl des Pferdes die Notwendigkeit zur Sedation. Die Bildqualität und damit die

Diagnostik werden überdies weiter verbessert.


Seit dem Jahreswechsel sind der neue Untersuchungsstand sowie die neuesten Röntgen- und Ultraschallgeräte in Betrieb. Ein hochmoderner Computer-Tomograph (CT) erlaubt Untersuchungen am stehenden Pferd, neu können Regionen am Pferd untersucht werden, die wegen der Grösse des Tieres bisher nicht untersucht werden konnten. Im Gebäude, das rund um den CT-Scanner errichtet worden ist, findet sich neben modernen Röntgen- und Ultraschallgeräten auch eine Szintigraphiekamera. Diese wird in der Lokalisationsdiagnostik angewandt und kann einen vermehrten Stoffwechsel erkennen und darstellen. «Dank der Szintigraphie sind Untersuchungen von Knochenstrukturen möglich und aktive Entzündungen am Knochen können sichtbar gemacht werden», sagt Anton Fürst dazu, der Direktor der Klinik für Pferdechirurgie. Felix Theiss derweil ergänzt, dass die CT-Untersuchungen einerseits einzelne «Röntgenbilder» zeigen könnten, andererseits aber ebenso ganze Serien, die sich zu 3-D-Visualisierungen zusammenrechnen liessen.


Die ersten Ergebnisse aus dem Bildgebungsgebäude Grosstiere haben selbst die Spezialisten des Departements Pferde in freudiges Staunen versetzt. Der Qualitätssprung in der Bildgebung ist enorm. Davon wird in vielerlei Hinsicht profitiert, wie Felix Theiss ausführt. Denn je nach Fachgebiet würden in der Pferdeorthopädie die Gliedmassen, der Rücken, aber auch die Halswirbelsäule geröntgt. Im Bereich der Zahnheilkunde seien es die Zähne, die Kieferhöhlen und die Kiefergelenke, die in den unterschiedlichen Projektionen dargestellt würden. Und das Interesse der inneren Medizin würde neben dem Lungen- und Abdomenröntgen vor allem auf der Röntgendiagnostik des Zungenbeins, des Rachens und bei Schluckstudien zur funktionellen Abklärung der Speiseröhre auf dem Halsbereich liegen. Kein Wunder also, herrscht im Bildgebungsgebäude Grosstiere bereits reger Betrieb, in dem sich die neuen diagnostischen Tools ebenso bewähren, wie sich der Röntgenstand aus Chromstahl bewährt.


All das ergibt ein erfreulich klares, detailliertes und damit besseres Bild vom Pferd. Mit Blick auf dessen Wohlergehen ein grosser Fortschritt. Dieser macht notabene auch all die Belastungen vergessen, die es während der Bauarbeiten des Bildgebungsgebäudes Grosstierröntgen für die Mitarbeitenden des Tierspitals wie für die Patienten und deren Besitzerinnen und Besitzer gab.

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