Zecken und zeckenübertragene Erkrankungen
- Pro Pferd

- vor 6 Tagen
- 3 Min. Lesezeit

Allgemeine Feststellung: Global warming verlängert die Zeckensaison und führt zu neuen Zeckenarten (z. B. Hyalomma). Die Zeckensaison wird länger und es sind auch Zecken im Winter nachgewiesen worden. Die Zeckenübertragung als Infektionsweg von Bakterien und Parasiten nimmt in der Pferdemedizin an Bedeutung zu. Zusammengefasst können die folgenden Krankheiten durch den Biss einer Zecke am Pferd ausgelöst werden:
Piroplasmose (Blutparasiten Theileria equi, Babesia caballi)
Folge: Rote-Blutkörperchen-Infektion; Fieber, Hämolyse, Anämie, Leistungsabfall, Aborte (Theileria kann an den Nachwuchs übertragen werden).
Diagnose: Mikroskopie, PCR, serologische Verfahren (cELISA).
Behandlung: Eliminationstherapie fallabhängig; bei klinischen Symptomen Behandlung nötig; langsame Gabe, oft in Kombination mit Krampf‑/Schmerzmitteln.
Schweiz/Europa: relevante Fallzahlen/Lage sind beschrieben.
Mehr Infos unter https://www.equinella.ch/parasiten/piroplasmose/
Anaplasmose (Anaplasma phagocytophila)
Folge: Infektionserkrankung des Blutes, Vaskulitis, Anämie, Neutropenie, Fieber, evtl. Ataxie.
Diagnose: Erreger- und/oder Antikörpernachweis im Blut.
Therapie: Tetracycline; Prognose oft gut/selbstlimitierend.
Vorkommen: Schweiz (nach Equinella): 2-15 Fälle/Jahr
Mehr Infos https://www.equinella.ch/bakterien/anaplasmen/
Tick-borne Encephalitis Virus (TBEV)
Übertragung: Zecken; Nagetiere als Wirt; Zoonose können auf den Menschen übertragen werden.
Folge: von Fieber, Gangstörung, Nervenausfälle am Kopf und Verhaltensstörungen bis schwere neurologische Ausfälle möglich.
Diagnose: PCR (Blut/Liquor), IgM-Antikörper.
Schweiz/Europa: TBEV-Präsenz beschrieben.
Borreliose (Borrelia burgdorferi; Lyme Disease)
Das Bakterium ist in 15 – 50% der Pferde in Europa im Blut (Seroprävalenz) feststellbar ohne, dass es zu einem Ausbruch der Krankheit kommt.
5-30% (bis zu 50%) der Zecken sind Borrelia positiv
Klinische Symptome beim Pferd: Neuroborreliose, Kopfnervenausfälle, Verhaltensveränderungen, Bursitis nuchalis, Uveitis; weitere oft unspezifische oder nicht eindeutig belegte Symptome.
Diagnose: Antikörper Nachweis im Blut allein ist unzureichend; Erregernachweis in Glaskörper/Synovia/Liquor/Gewebe notwendig; Umfeld-Endemie beachten.
Therapie: Oxytetracycline, Doxycycline; ggf. Ceftiofur, Penicillin; mind. 1 Monat Therapie; eine multifaktorielle Diagnostik ist nötig.
Mehr Infos unter https://www.equinella.ch/bakterien/borreliose/
Zeckenprophylaxe für Pferde
Vermeidung zeckenreicher Lebensräume (waldige Weiden).
Zeckenschutzmittel, z. B. Fipronil (Frontline ©), Cipermethrin (Tri-Tec ©) v.a. an Beinen und Bauch einsprayen, korrekte Anwendung beachten.
Allgemeine Maßnahmen
Früherkennung und Überwachung wichtiger, Informationsplattformen wie www.equinella.ch
Beine nach dem Ausritt durch bewachste Wege und Pfade gut abspritzen
Regelmäßige Zeckenkontrollen nach Ausritten, besonders in Risikogebieten.
Drehen oder ziehen? So entfernen Sie die Zecke richtig
Hat Sie eine Zecke gestochen, sollten Sie schnell handeln. Beachten Sie dabei folgende Tipps:
Nehmen Sie nach Möglichkeit ein Hilfsmittel wie eine feine Pinzette, Zeckenkarte oder -zange zur Hand
Greifen Sie die Zecke so nahe an der Haut wie möglich, ohne sie zu quetschen
Drehen Sie die Zecke nicht aus der Haut
Ziehen Sie die Zecke langsam, nicht ruckartig, sondern durch kontinuierlichen Zug heraus
Befindet sich der Stich an einer schwer erreichbaren Stelle, bitten Sie eine Person um Hilfe
Vergessen Sie Hausmittel: Lassen Sie Nagellack, Öl, Alkohol oder Zahnpasta aussen vor: Mit diesen Mitteln lassen sich Zecken nicht einfacher entfernen, vielmehr erhöhen diese möglicherweise das Infektionsrisiko
Die goldene Regel lautet: hautnah, langsam und kontrolliert
Im Anschluss desinfizieren Sie die Einstichstelle
Kontakt/Quellen in der Zusammenfassung:
Vortrag/Autorin: Dr. med. vet. Julia van Spijk, Equinella Fachstelle
Ressourcen: Zecken-stich.ch, www.equinella.ch, relevante Fachliteratur aus Europa/Schweiz
Kritischer Blick in den Futtertrog
Herbstseminar von Pro Pferd am 24.10.2026

Du möchtest dich tiefer mit Themen beschäftigen, die Pferd und Reiter wirklich bewegen? Ob Gesundheit, Fütterung oder Haltung – wir werfen einen wissenschaftlichen Blick auf den Alltag mit Pferd.
Erfahre beim nächsten Herbstseminar der Stiftung Pro Pferd am 24. Oktober 2026 in Zürich, was dein Pferd im Futtertrog wirklich braucht, wie du Übergewicht vermeidest und worauf es beim Heu ankommt.



