Aktuell sehr hohes Risiko für Weidemyopathie

Aus aktuellem und äusserst dringendem Anlass machen wir auf die von Pro Pferd mitfinanzierte Meldeplattform Equinella und auf die Facebookseite von Equiscope aufmerksam. Equinella ist das Schweizer Frühwarnsystem für die Pferdegesundheit. Die Plattform sammelt Meldungen aus der tierärztlichen Praxis und macht sichtbar, wo welche Pferdekrankheiten auftreten oder sich häufen. So können Entwicklungen früh erkannt und gezielt Massnahmen ergriffen werden.
Die Wichtigkeit der Früherkennung zeigt sich derzeit an der Atypischen Myopathie bei Equiden, die in den letzten Tagen vor allem im Jura auftrat und zu schweren Vergiftungen führte, teils mit Todesfolge. Zahlreiche Pferde werden aktuell in verschiedenen Kliniken in der ganzen Schweiz aufgrund der Vergiftungssymptome behandelt.
Es wird angenommen, dass 2026 wieder ein sogenanntes Mastjahr ist in dem der Bergahorn extrem viele Früchte und Samen gleichzeitig produziert. Hinzu kommen aufgrund des sehr heissen Sommers geringer Graswuchs und Heumangel, was die Situation verschlimmert und dazu beiträgt, dass Pferde die Samen oder die jungen Keimlinge fressen, die für sie giftig sind.
«Equinella hat am letzten Samstag sofort reagiert und Tierärtzinnen und Tierärzte auf die Situation aufmerksam gemacht, zudem wurde Equiscope auf Facebook aktiv», sagt Vinzenz Gerber, der Leiter des Institut suisse de médecine équine ISME in Bern und Avenches sowie Vizepräsident der Stiftung Pro Pferd. Und Gerber weist darauf hin, dass die Gefahr, die von Bergahornbäumen ausgeht, schon länger und gut bekannt ist. Im Sinne der Prophylaxe müsse dies in Erinnerung gerufen werden, um die Massnahmen gegen das saisonale Risiko der Weidemyopathie zu verbessern.
Es gilt also Risikoweiden zu meiden oder ganz zu sperren. Die Weidezeit ist zu beschränken und Pferde sind in der Nacht einzustallen. Bei der Weidepflege sind die Bäume zu bestimmen und zu pflegen. Samen und junge Keimlinge sind zu entfernen. Die Zufütterung ist zu erhöhen. Ausreichend Raufutter ist anzubieten, vor allem auf abgefressenen Weiden mit tiefer Grasnarbe. Dies vorzugsweise in Raufen und nicht am Boden. Denn wird das Gras knapp, beginnen die Pferde nach Alternativen wie Laub, Rinde oder eben den süsslich schmeckenden Ahornsamen zu suchen. Es ist ausschliesslich frisches Leitungswasser in sauberen Behältern und kein stehendes Wasser zu verwenden. Das Gift Hypoglycin A kann sich auch im Wasser lösen, wenn Samen oder Blätter hineinfallen.
Beobachte Dein Pferd! Bei Schwäche, Muskelzittern Steifheit, Schwitzen, Koliksymptomen oder dunklem Urin sofort den Tierarzt kontaktieren!
Die Stiftung Pro Pferd hofft, dass diese Information dazu beiträgt, dass Euer Pferde wohlbehalten durch die aktuell sehr hohe Risikozeit kommen.




